Die Frage nach dem „Warum“…

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Die Frage nach dem „WARUM“?

 

Immer wieder fragen mich Leute, warum ich mich so stark für das Thema „Behinderte, Sex und Rotlicht“ engagiere.

Ich schreibe Blogs, Turne in Internetforen rum, führe eine Facebook-Gruppe, mache Interviews und Dokumentarfilme. Meine Eltern sind noch immer der Meinung:“Über Sex spricht man gar nicht, du kannst Dich genauso gut für behindertengerechte Einrichtungen engagieren.“

Stimmt, könnte ich, aber gerade Behinderte brauchen ein paar positive Ereignisse im Leben, wodurch sie Ihren Akku wieder aufladen können. Der Kampf gegen das Leben und gegen die Behinderung erfordert sehr viel Kraft, vor allen Dingen mental.

Viele im Umfeld eines Behinderten, Eltern und Betreuer, unterschätzen wie viel positive Lebensenergie durch gelebte und gefühlte Sexualität freigesetzt wird.

Während der Pubertät habe ich unheimlich viel an Erfahrungen verpasst. Als Schwerstbehinderter stand ich während der Pubertät gar nicht hoch im Kurs bei den Mädels. Ich musste immer mit ansehen, wenn meine Kumpels mit der 3. Frau in der Woche ankamen. Das Gefühl, dass 5. Rad am Wagen zu sein, ist nicht gerade förderlich für das eigene Selbstbewusstsein.

Auch waren meine Erfahrungen über meinen eigenen Körper gleich Null, und Erfahrungen, die man in jungen Beziehungen halt macht, wie vorsichtiges Annähern, Kompromissbereitschaft, etc. habe ich halt gar nicht gemacht.

Mittlerweile kenne ich meinen Körper recht gut. Ich weiss, wann eine Spastik kommt, ich kann relativ genau sagen wo und was in meinem Körper vor sich geht. Auch das führe ich durch das Erleben der Sexualität zurück.

Das Rotlichtmillieu oder die Escorts sind wahrlich nicht die einzige Möglichkeit um diese Erfahrungen zu machen und zu genießen. Jedoch haben die Leute immer noch Vorurteile dahin zu gehen, bzw. viele Behinderte wissen und ahnen gar nicht, dass sie auch dort willkommen sind und das es auch in diesem Dienstleistungsbereich Möglichkeiten für sie gibt.

Wenn mich also jemand fragt, warum ich mein dasein als Freier öffentlich lebe, dann antworte ich:“Ich darf nicht nur mosern, wenn mir etwas nicht passt, ich muss etwas tun damit sich der Misstand ändern kann, und dazu muss ich diesen Misstand ansprechen und vorleben. Ob ich den Misstand ändern kann, liegt nicht in meiner Macht, aber wenn ich es schaffe, das Leute wenigstens darüber nachdenken, dann habe ich schon was erreicht…“