In jedem steckt ein kleiner „MacGyver“

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In Jedem steckt ein kleiner „MacGyver“…

 

Mein Rezept um mit meiner Behinderung positiv zurecht zu kommen ist, dass ich jeden Tag als Wettkampf sehe.

Gerade bei Behinderungen wo sich Bio-rhytmus  und Tagesverfassung ganz erheblich auf die Beeinträchtigungen auswirken kann solch eine Art Wettkampfdenken psychisch eine gute Hilfe sein.

„Sometimes you win and sometimes you loose“ – doch wer verliert schon gerne?

Da ist es durchaus hilfreich, wenn man, ähnlich wie der US-Serienheld aus den 90ern Richard Dean Anderson alias „MacGyver“ immer einen kleinen Kniff zur Hand hat, wie man ein Problem lösen kann.

Immer wenn eine größere Familienfeier in einem Restaurant „droht“, habe ich immer ein Päckchen Kartoffelpüree-Pulver im Rucksack. Nicht, weil ich die Befürchtung habe, dass das Essen mies wäre, sondern weil man aus Erfahrung weiß, dass bei einem Mehrgängemenue auch immer eine Suppe winkt.

Nun: Mit meinen spastischen unrunden Bewegungen eine Suppe löffeln endet, ähnlich wie bei Kleinkindern, immer in einer herrlichen Sauerei. Evtl. haben sogar die Tischnachbarn noch Freude von meiner Suppe – und zwar auf Ihren Klamotten, was die Freude am weiteren Tagesverlauf doch erheblich dämpfen würde.

Ich könnte auch einen Strohhalm in die Suppe stecken, nur das birgt halt einigerecht unangenehme Nebenwirkungen. Zum einen ist die Gefahr recht groß, dass man sich den Mund mit der Suppe verbrennt, weil halt ein konzentrierter Strahl mit der heißen Suppe hinten an den Gaumen gelangt. Zum anderen verschließt gerne eine Nudel, oder was sonst so in der Suppe schwimmen könnte, den Strohhalm. Auch das vermindert den Genuss der Suppe ungemein.

Also kommt nun mein Joker zum Tragen: Das Kartoffelpüree-Pulver!

Davon streue ich immer etwas in die Suppe, sodass die Suppe etwas angedickt wird. Aus der meist klaren Brühe wird nun eine Art Brei und es wird deutlich einfacher zum löffeln. Am Geschmack der Suppe ändert sich nicht viel, bis auf die Tatsache, dass der Geschmack etwas kartoffeliger wird. Aber die Suppe sättigt etwas mehr. Also nicht wundern, wenn ich bereits nach der Suppe den Löffel abgebe, weil ich satt bin.

Dieser Kniff hat sich auch schon bei Kleinkindern oder Schlaganfallpatienten bewährt.

 

Nach dem Essen gibt es meist Kaffee. Den trinke ich immer mit dem Strohhalm. Selbst mir passiert es, dass ich vergesse meinen Strohhalmvorrat aufzufüllen, und sollte dann widererwartend das Restaurant auch keine Strohhalme haben, dann hilft nur noch, der Bedienung ihren Kugelschreiber abzuschwatzen.  Diesen dreht man auseinander, holt die Mine raus und bricht oben das Klick-Knöpfchen raus – nachdem das leere Röhrchen wieder zusammengedreht wurde, hat man einen 1A-Strohhalm… Freilich kann die Bedienung danach den ehemaligen Kugelschreiber vergessen, aber ein bisschen Verlust ist bekanntlich immer.

Wer schon mal Krank im Bett lag, und trinken musste, der wird festgestellt haben, das Kopf anheben, Becher kippen und trinken oft mit schlabberei endet.  Auch hier hat sich ein kleiner Kniff bewährt – nämlich der Infusionsschlauch. Der ist bis zu einem Meter lang und beweglich. Man kann den Becher oder die Flasche bequem außerhalb der Kippgefahr aufstellen, z.B. auf dem Nachttisch, und der Patient kann bequem in liegen trinken. Man könnte bei Schlaganfallpatienten, ect. Den Schlauch sogar noch mit einem Heftpflaster seitlich am Hals fixieren, sodass der Schlauch nicht wegflutscht.

Wenn die Feinmotorik im Eimer ist, was bei Spastikern meistens der Fall ist, dann wird das Greifen und Packen der Reißverschlußzippern zur Qual.  Da man nicht immer eine attraktive Krankenschwester in seiner Nähe hat, welche beim Hose öffnen hilfreich Hand anlegt, wird dieses Problem von Schlüsselringen gelöst, welche am Zipper des Reißverschlusses befestigt werden. Das garantiert genügend „Pack-An“ für jeden Grobmotoriker.

Das sind nur ein paar Tricks aus der Kiste. Sie werden nicht jedes Problem lösen können, aber ein Anfang ist gemacht…

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