Who the f… is Rolliman?

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„Who the f…. is Rolliman?“

 

Logo von Roliman und seiner Webseite - Rollstuhlsymbol mit Kaffeetasse in der Hand in Superman Darstellung

Ich schreibe schon seit längerer Zeit die Blogs hier, habe mich aber irgendwie noch nicht richtig vorgestellt. Das werde ich nun tun.

Wie aus meinen bisherigen Blogs schon zu erlesen ist, bin ich zu 300 % Schwerbehindert!

Was? 300%? Wie geht das denn???

Hmm… Eigentlich ganz einfach….

Ich wurde am 7.11.1971 in Düren geboren. Jeder Rheinländer weiß, dass mein „Produktionsdatum“ somit  irgendwann in der Karnevalszeit lag. Obwohl ich kein Karnevalsjeck bin, aber ein bekloppter Rheinländer bin ich allemal.

Die Stunde meiner Geburt lag auf einem Sonntag kurz nach 14 h. Scheinbar musste der Doc, der damals bei meiner Geburt Dienst hatte, dringend zur Sportschau, denn er vergaß irgendwie ein paar seiner Arbeitsschritte bei mir.

Ich hatte wohl schon als Säugling gewaltigen Durst und eine große Klappe, denn ich schluckte bei meiner Geburt doch wohl so einiges an Fruchtwasser, und das Zeug lief mir in die Lunge. Da der Arzt durch die nahende Sportschau in Zeitnot war, vergaß er wohl mich abzusaugen und so blieb das Fruchtwasser unentdeckt in meiner Lunge.

Wie man vom Schwimmunterricht her wissen wird ist Wasser in der Lunge nicht gerade gesund, und so war das auch bei mir.. Zwei Stunden nach der Geburt drohte ich quasi am Fruchtwasser in der Lunge zu ertrinken und ich hatte einen Atemstillstand. Wie lange ich ohne Sauerstoff war konnte nie geklärt werden, aber es hat ausgereicht um die Gehirnzellen für Feinmotorik und Gleichgewichtsgefühl auf ewig zu verjagen.

Seitdem bin ich Tetraplegie-Spastiker, das heißt, ich kann alles bewegen, ich spüre alles, nur meine Bewegungen sind unkoordiniert und unrund. Man kann sich meine Bewegungen in etwa so vorstellen, als wenn ein Vorschulkind in einem Malbuch malt. Es kann zwar zielgerichtet die Micky Mouse ausmalen, aber dennoch gehen viele Striche des Stiftes über die vorgegebene Linie des Malbuches drüber weg.

Mit dem fehlenden Gleichgewicht ist es ähnlich. Stellt man mich in eine Ecke, wo ich mit dem Rücken zwei Punkte zum anlehnen habe, dann bleibe ich ohne großes Problem stehen, wenn man mich aber mitten in den Raum stellt, dann kippe ich langsam um, wie ein angeknockter Boxer.

Deswegen fahre ich auch meinen tollen „Wohnzimmerferrari“ (Rollstuhl).

Das sind die ersten 100 %. 🙂

Da der Rheinländer und insbesondere der Kölner für jede Gelegenheit einen feinen Spruch hat, so nach dem Motto „Et hätt noch immer jot jejange“, so stellte sich bei mir raus, dass die ärztliche Dauerbetreuung nach dem Geburts-Faux-Pas auch seine guten Seiten hatte.

Ich hatte immer Fieber, ohne dass ein Infekt festgestellt wurde. Erst ließen die Ärzte das als sogenanntes „Nebengeräusch“ der Behinderung mitlaufen, doch das Fieber ging und ging nicht runter. So wurde ich mit Antibiotika und Kortison vollgepumpt. Das Zeug habe ich als Kind bekommen, wie andere Kids Smarties und Gummibärchen. Auch das Geschenk der Pharmaindustrie ging nicht spurlos an mir vorüber. Mittlerweile bin ich gegen die meisten Antibiotika resistent und ein Sportmediziner meinte mal nach einer Just for Fun“-Dopingprobe von mir:“Du bist sowas von verseucht, du taugst nur noch für den Sondermüll.“

Seitdem weiß ich, dass die Paralympics für mich auch tabu sind.

Da mich der Sensenmann und der Teufel beide noch nicht haben wollten, weil sie mit Sicherheit wussten, dass ich ihnen ihre Jobs streitig machen würde, hielt ich also irgendwie durch, trotz mehrfachen 42 Grad Fieber, wo normalerweise der Mensch leicht das köcheln beginnt.

Irgendwann wurde ein Arzt hellhörig, als ich meinen ersten Zahn bekam. Naja, Zahn war vielleicht zuviel gesagt. Es war eine Mischung aus Dracula-Gebiss und Tiger-Reißzahn. Der Arzt stellte sich als erster die Frage:“Wieso immer Fieber und wieso diese Zähne?“

Irgendwann wurde er mit einem Kollegen fündig: Um 1895 schrieben arabische Mediziner wohl schon über diese Merkmale, nur damals kannte man das Zauberwort Gendefekt noch nicht.

Bei mir wurde in der Folge  einwandfrei nachgewiesen, dass ich eine Erbkrankheit habe. Diese „Anhydrotische ekto dermale Dysplasie“ betrifft alles, was vom Körperinneren nach Aussen geführt wird.

Also:

Ich habe keine Schweißdrüsen – d.h. ich kann nicht schwitzen, dadurch wird die Körperwärme nicht nach außen abgeführt. Es entsteht Fieber. Das hat zur Folge, dass der kleine Rolliman ähnlich wie das Schnitzel vom Metzger immer kühl gelagert werden muss.

Urlaub gibt es für mich nur auf der Nordhalbkugel der Erde und Sex findet entweder nur unter der kalten Dusche statt oder der arbeitstechnische Teil bleibt an der Frau hängen.

Ich habe auch keine Tränen- und Speicheldrüsen, deswegen ist tränenreich heulen bei mir nicht drin, naja… und wenn man ständig einen trockenen Mund hat und ca. 3 Liter am Tag trinkt, dann kommt man sich als Rollstuhlfahrer eh vor wie ein Auto: Oben kippt man Kühlflüssigkeit rein und unten kommt die warme Suppe wieder raus.,

Das größte Problem, sowohl funktional als auch optisch, ist die Tatsache, dass ich nur 6 Zähne habe. Teilweise halt sehr spitz. Leider ist dieser Schaden nicht zu reparieren, da mein Kiefergerüst nicht tragfähig für ein Gebiss ist.

Also eier ich als „Quasimodo on Hot Wheels“ durch die Lande und muss halt damit leben, das 95% der Menschheit einen weiten Bogen um mich macht.

Das  sind die zweiten 100 % meiner Schwerbehinderung.

Aufgrund dieser Zusammenstellung bin ich schon recht „speziell“ geworden. Ich bin ein elender Sturkopf und Genussmensch. Ich lache gerne und mein Humor ist tiefschwarz. Ich schwinge gerne die verbale Holzaxt und liebe das Leben.

Ich bin aber auch zutiefst sensibel und sehr  schnell verletzbar wenn man mich mit dem falschen Bein erwischt.

und  das sind die dritten 100 %…

Denn eigentlich kann ich nur eins richtig gut!!!

Wenn der Tod durch den Stier symbolisiert wird und ich der Torero bin, dann ist die Stierkampfarena das Leben. Am Ende des Kampfes gewinnt immer der Stier, aber es liegt an der Einstellung des Toreros wie der Kampf verläuft. Ich kann mich in die Ecke setzen und warten bis der Stier mich platt macht. Ich kann aber auch vor dem Stier weglaufen, nur es ist eine Frage der Zeit wann er mich einholt.

Also bleibt nur die 3. Variante:

Den Stier bei den Hörnern packen und dem zahlenden Publikum und sich selber einen sauberen und ehrlichen Kampf liefern. Denn der Kampf wird Spuren in der Arena hinterlassen, und das wird das einzige sein was bleibt…

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