„Was habt ihr 36 Jahre nur gemacht?“ – Eine Geschichte geht zu Ende.

Tja, nun ist das auch Geschichte. Jetzt ist mein holländischer Krankengymnast nach fast 36 Jahren auch in Rente gegangen. Jetzt kann man auf der einen Seite sagen, es hat ihn die besten Jahre seines Lebens gekostet und er ist ziemlich grau wegen mir geworden, aber auf der anderen Seite kann man auch sagen, 36 Jahre hält so manche Ehe nicht und eine deutsch-holländische schon gar nicht.

Aber irgendwie war Marcel mehr wie nur ein Krankengymnast. Er hat bei uns quas die ganze Familie irgendwie betreut, meine Mutter mit Fangopackungen versorgt, meinen Vater nach dessen OPs mit den ein-oder-anderen Reha Übungen versorgt und dann auch mal meine Schwester und meine Nichte wieder geradegebogen, wenn die irgendwelche Zipperlein hatten.

Gut, zum Laufen hat er mich in dieser Zeit nicht gebracht, dafür war wohl dann das Ausgangsmaterial zu schlecht, als dass es sich noch irgendwie veredeln ließ.

So bleibt also am Ende die Frage; „was habt ihr 36 Jahre gemacht?“

Ah, als erstes haben wir ca. 6 Kaffee Plantagen in Kolumbien vor der sicheren Pleite bewahrt. Dann haben wir die Aktienkurse so mancher Keksfirma allein gestützt. Wir haben zig Radsport Kilometer Fachmännisch mit kommentiert. Dann Fußball Taktiken ausbaldowert und mindestens 380-mal die Welt gerettet. Vor Trump, vor Putin, vor deutschen und holländischen Unnützen Politikern. Was man halt so tut während einer Behandlung.

Aber nicht zuletzt Stand unterm Strich, dass ich sagen konnte: „Mach mal Knick-Knack auf der linken Hüfte“ und er wusste genau, wo und wie er mich einzurenken hatte. Und noch einige Sachen mehr. Gut, für mich sind Holländer immer noch eigenartige Menschen. Weil wer in Holzschuhen rumläuft und Käse und Fisch mag und andauernd über Orangefarbene Helden singt (nein, nicht Trump) die sind mir dann doch etwas suspekt, aber was soll’s. Jeder Mensch darf kleine Schwächen haben…

Mir bleibt nur noch ihm einen schönen (Un)Ruhestand zu wünschen und die Wege von Deutschland nach Holland oder umgekehrt sind ja nicht die weitesten.

 

Zum Abschied hat er dann auch ein Auto von mir bekommen, eins was richtig schnell fährt, damit die Wege noch kürzer sind…

Ich warte nur darauf, dass er mit dem ersten Formel 1 Auto kommt was eine Anhängerkupplung für den Wohnwaagen hat…

Also: Tot Ziens