Rollimans meets…Shakira…

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…oder wie ich zur Eintrittskarte mutierte

Am 05.06.2018 habe ich am eigenen Leibe erlebt, dass es nicht immer positiv sein muss, wenn man sozial und hilfsbereit sein möchte.

Letztes Jahr im Oktober lag mir meine Assistentin Lena immer in den Ohren, wie gerne sie zum Shakira Konzert nach Köln möchte, was für November in der Köln Arena vorgesehen war, aber dieses wäre ja schon ausverkauft. Wie es der Zufall wollte, wurde dieses Konzert aufgrund einer Erkrankung der Sängerin abgesagt.

Wie hier in dem Blog nachzulesen ist, bin ich ja öfters auf Konzerten zu Gast und habe deswegen von vielen Veranstaltern oder auch Locations die Internetnewsletter abonniert, um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Irgendwann im Januar 2018 kam dann ein Newsletter von der Köln Arena, dass dieses krankheitsbedingt abgesagte Konzert im Juni nachgeholt wird und die Karten der abgesagten Veranstaltung entweder ihre Gültigkeit behalten würden oder dass man die Karten umtauschen kann, wenn man an diesem Termin nicht anwesend sein kann.

Aufgrund meiner ersten Mail an den Veranstalter wurde mir gesagt, dass die Köln Arena auf den normalen Plätzen komplett ausverkauft sei und man nur noch ein paar Behindertenplätze vorweisen kann.

Eigentlich ist Shakira ja nicht mein Hauptgebiet, da sie weder Rock ‘n Roll, Country und teilweise wenig englischsprachige Lieder singt.

Aber da man gelegentlich auch seinen Angestellten die eine oder andere Anerkennung zeigen könnte, habe ich mich dann dazu durchgerungen, eine Rollstuhlkarte plus Begleiterkarte für dieses Event zu besorgen.

An besagten Nachholtermin crashte meine Assistentin aber dann das Konzert beinahe selber, denn auf alle Fälle kam sie ein wenig später als zu der vereinbarten Zeit, aufgrund eines Defektes an ihrem Auto.

Glücklicherweise war die sonst so stark befahrene Autobahn frei, sodass wir pünktlich zum Voract, irgendein mir unbekannter DJ, in der Halle waren.

Einige Bedienstete in der Köln Arena schauten mich erstmal ziemlich verwundert an, mit dem Kommentar: ,,Was machst du hier? Ist doch gar kein Eishockey…“, meine Antwort darauf: ,,Nee, das nicht, aber erfahrungsgemäß schneit es ja auch bei den Kolumbianern im Sommer…“ J

Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten, kam jetzt wieder das wohl durchdachte Platzmanagement der Köln Arena zum Vorschein. Die Leute da kriegen es einfach nicht hin, dass es bei Konzerten, wo die Bühne eine Kopfseite verdeckt, nur 40 Rollstuhlplätze gibt und keine 80 Rollstuhlplätze da sind wie z.B. beim Eishockey. Dieses führte zu Konzertbeginn doch für einige Verwirrung , weil halt immer mehr Rollstuhlfahrer auf die Plätze drängten und somit kein Platz mehr für die Begleitpersonen waren. Diese mussten sich dann hinter die Rollstühle stellen.

Wie bei diesen Megastars üblich durften riesige Leinwände und Pyrotechnik nicht fehlen.

Als Shakira dann die Bühne betrat, war dann kurzzeitig durch das doch sehr südländisch gefärbte Publikum sehr schnell ein hohes Stimmungslevel erreicht, aber schon beim ersten Lied hatte ich so meine Zweifel, dass diese Stimmung lange anhalten würde. Die Akustik in der Köln Arena ist eh nicht gerade die Beste, aber an dem Abend hatte die Technik wirklich den absolut perfekten Griff ins Klo.

Manche Lieder waren total übersteuert, bei manchen Lieder gehörte man den Gesang gar nicht, sondern nur die Musik und bei manchen Liedern klang die Stimme nur stotternd, da das Mikro wohl teilweise Aussetzer hatte. Man hatte dort unten zwar ein Technikpult aufgesetzt, mit dem man das Raumschiff Enterprise hätte fliegen können, aber die Techniker selber hat man sich wohl aus der Baumschule ausgeliehen. Unter den 23 Songs, die Shakira zum Besten gab, waren maximal 2 dabei und da stand sie nur mit Akustikgitarre auf der Bühne, wo man wirklich alles und ohne irgendein Verzerrer verstehen und genießen konnte. Der Rest war nach meinem Dafürhalten Schrott.

Ich möchte damit der Künstlerin gar keine Schuld zuweisen, denn sie hat Alles auf der Bühne gegeben, was sie drauf hat, aber wenn in dieser Größenordnung, wie die Köln Arena nun einmal ist und dann auch noch mit geschätzten 16.000 Fans in der Halle die Technik versagt, dann kann jeder Künstler einpacken und nach Hause gehen.

Immerhin habe ich über 2 Stunden lang Shakiras berühmt berüchtigten Hüftschwung genießen dürfen, nur denke ich mal sind runde 90 € Eintrittsgeld für zwei Stunden kolumbianischen Fruchtbarkeitstanz doch etwas happig. Nach meinen Erfahrungen hat man im Bordell doch ein besseres Preisleistungsverhältnis.

Immerhin schien meine Assistentin einen guten Abend gehabt zu haben, denn ihr Handy wanderte pausenlos von der Recordtaste wieder zurück in die Hosentasche und 2 min später wieder zurück in die Hosentasche und wieder kam der Druck auf die Recordtaste. Meine Assistentin fand es schade, dass es keinerlei Zugabe gegeben hat. Aber aufgrund des Bühnenprogramms war glaube ich sowas auch nicht vorgesehen. Nämlich während ihrer Bühnenauftritte liefen im Hintergrund auf den Leinwänden immer fest gesetzte Filmsequenzen, die ein Ausbrechen aus dem Zeitplan gar nicht zuließen. Selbst das Bad in den Fans, war mit ca. 100 Sekunden total durchgeplant. Spontanität war da gleich Null.

Abschließend ist zu sagen, dass große Namen in großen Hallen nicht auch automatisch große Konzerte bedeuten. Nach diesem Ausflug weiß ich kleinere Locations wie das Luxor oder das E-Werk richtig zu schätzen, da diese ihre Technik 100 % kennen und diese einsetzen können.

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